Interview mit Dr. Thomas Zwiefelhofer, Regierungschef-Stellvertreter der Regierung des Fürstentum Liechtenstein (De)

Thomas 22

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Dieses Interview wurde extra für Portal Akademija-Art.hr von Vlado Franjević geführt

Liechtenstein sieht Kroatien mit Sicherheit als verlässlichen Partner an. Die Beziehungen zwischen Liechtenstein und Kroatien werden sich zukünftig sicherlich vertiefen, denn auf europäischer Ebene ist nun zusätzlich die Verbindung durch die EU beziehungsweise durch den EWR gegeben

VF: Herr Thomas Zwiefelhofer, seit den letzten Wahlen (anfangs 2013) sind Sie der Regierungschef–Stellvertreter des Fürstentums Liechtenstein. Sie führen als Minister das Ministerium für Inneres, Justiz und Wirtschaft. Seien Sie bitte so nett und stellen Sie sich unserer Leserschaft kurz vor. Vielleicht sagen Sie uns auch ein paar Worte aus Ihrem Lebenslauf, was noch nicht in der Google-Suchmaschine zu finden ist.

TZ: Jetzt müsste ich wissen, was in der Google-Suchmaschine über mich zu finden ist und was nicht. Google gibt sicher meinen Jahrgang 1969 preis, oder dass ich mit Susanne verheiratet bin und wir 3 Kinder, 2 Jungs und 1 Mädchen, haben. Beruflich habe ich zuerst in Zürich Architektur studiert und mich nach einigen Jahren Tätigkeit als Architekt dann umorientiert und in St. Gallen als Zweitstudium Rechtswissenschaften mit dem Doktorat abgeschlossen. Was Google vielleicht nicht weiss: Ich bin Hobby-Weinbauer und produziere seit 1995 meinen eigenen Rotwein. Ich spiele in meiner wenigen Freizeit gerne Klavier und komponiere auch kleinere Stücke. Wenn möglich bewege ich mich gerne in der freien Natur und kenne mich sehr gut mit der einheimischen Pflanzenwelt aus. Übrigens gehört unser Hund Bilbo, ein schwarz-weisser Labradoodle, mit zur Familie und hält uns ebenfalls auf Trab.

VF: Wie lange sind Sie eigentlich schon in der Politik aktiv? Was haben Sie gearbeitet, bevor Sie sich entschlossen haben, sich an den letzten Wahlen als Regierungsmitglied nominieren zu lassen?

TZ: Politik hat mich schon immer interessiert. Schon in meinem Elternhaus wurde oft über politische Themen debattiert. Meine eigene politische Aktivität begann mit einer wenig erfolgreichen Kandidatur für den Vaduzer Gemeinderat im Jahr 2003. Danach war ich 5 Jahre Ortsparteipräsident der Vaterländischen Union in Vaduz. Seit 2009 gehöre ich dem Präsidium der Vaterländischen Union auf Landesebene an, davon 4 Jahre als Vizepräsident der Partei. Von 2007 bis 2011 war ich in parallel dazu Mitglied des Gemeinderats von Vaduz. All diese politischen Ämter waren nebenberuflich. Vor meiner Wahl in die Regierung im März 2013, also dem Einstieg in die professionelle Politik, arbeitete ich während 13 Jahren als Jurist in einem grossen Finanzdienstleistungsunternehmen in Vaduz, ab 2003 als Mitglied der Geschäftsleitung. Ausserdem war ich ab 2003 nebenberuflich während 8 Jahren an der Universität Liechtenstein als Dozent für Compliance und Corporate Governance tätig.

VF: Was fasziniert Sie an der Politik am meisten, und weswegen sind Sie sogar Berufspolitiker geworden?

TZ: Ein wichtiger Faktor ist die grosse gestalterische Kraft, die der Politik innewohnt, und die Herausforderung, möglichst optimale, um nicht zu sagen massgeschneiderte politische Lösungen für Liechtenstein zu erarbeiten. Mit meiner Arbeit kann ich mich für das Wohl des Landes und seiner Menschen einsetzen. Ich pflege einen kooperativen Führungsstil und bin ein Teamplayer. Mir ist es wichtig, dass ein offener und sachlicher Austausch der Argumente stattfindet, damit jede Entscheidung auf einer breiten Grundlage abgestützt ist. Es braucht den respektvollen Umgang miteinander, man muss nicht einer Meinung sein, aber die Meinung der anderen respektieren. Wer sich in der Politik engagiert, der muss eine gewisse Leidenschaft haben. Für mich stehen die Menschen, ihre Anliegen, Meinungen oder Sorgen im Mittelpunkt, und ich sehe es als meine Mission, Lösungen für Probleme zu finden. Ich interessiere mich für die Menschen, ich bin gerne in Gesellschaft und schätze angeregte Gespräche, das ist sicher auch hilfreich in der Politik.

VF: Wir kennen uns ja schon eine gewisse Zeit lang und ich kenne Sie nur und ausschliesslich als einen äusserst positiven, angenehmen und optimistischen Gesprächspartner. Ich kenne Sie als einen offenen, auch sehr witzigen Mann, der die Welt und die Mitmenschen nicht „von oben herab” anschaut. Es interessiert mich zuerst, wo ist die Quelle dieser positiven Energie, die Sie ausstrahlen? Und zweitens, wie viel „Witz” oder Humor erträgt die relativ ernsthafte, politische und wirtschaftliche Lage in Liechtenstein?

TZ: Vielen Dank für die Blumen! Darauf muss ich jetzt zuerst einmal mit einem Zitat von Mark Twain antworten, der einmal sagte: “Sie werden bestimmt in den Himmel kommen für Ihre Freundlichkeit – falls Sie nicht an den anderen Ort geschickt werden; wegen der Übertreibungen.” Ich möchte nicht verschweigen, dass ich hin und wieder einen Koffein-Schub als Energielieferant brauche, um den dichtgedrängten Terminkalender zu bewältigen. Aber in erster Linie erhalte ich meine Energie durch meine Familie, durch die Menschen um mich herum, die mich phantastisch unterstützen. Dieser Rückhalt gibt mir Kraft und Motivation. Zur Frage des Humors möchte ich sagen, dass bei aller ernsthaften Befassung mit der politischen und wirtschaftlichen Lage der Humor nicht zu kurz kommen sollte. Lachen sei gesund, heisst es, und Humor hat schon in vielen Situationen zu einer entspannteren und offeneren Herangehensweise beigetragen. Ich kann Ihnen jetzt nicht eine Masseinheit anbieten, wie viel Witz gut tut, er muss halt der Situation angepasst und wie bei einer Medizin gut dosiert sein. Ein guter Witz sollte zudem nie ein bestimmtes Niveau unterschreiten.

VF: Sie sind viel um die Welt gereist. Wo würden Sie am liebsten leben, wenn das nicht hier wäre? Und warum gerade dort, an diesem einen Ort? Sie waren einige Jahre Honorarkonsul von Polen in Liechtenstein und haben auch in den Grundzügen Russisch gelernt… Können Sie sich vorstellen, in Polen zu leben?

TZ: Liechtenstein ist meine Heimat, hier lebt meine weitere, grosse Familie und die meisten meiner Freunde. Ich fühle mich privilegiert, hier leben zu können. Ich kann Ihnen deshalb gar nicht sagen, wo ich sonst gerne leben würde. Aber ich interessiere mich für andere Länder, ich reise sehr gerne, kehre aber auch gerne nach Hause zurück. Ich habe mir vorgenommen, mit meiner Frau und meinen Kindern alle Erdteile zu besuchen, letzten Sommer haben wir deshalb eine Asien-Reise unternommen. Polen ist ein tolles Land, ich war sehr stolz, für 5 Jahre als Honorarkonsul Polen offiziell in Liechtenstein vertreten zu dürfen. Und Polen ist wunderschön, natürlich könnte ich mir vorstellen, dort zu leben. Aber meine Heimat ist und bleibt Liechtenstein.

VF: Waren Sie schon einmal in meinem ersten Heimatland Kroatien? Wenn ja, wo genau? Wenn nein, wann gehen Sie endlich dorthin?  Es ist auch ein wunderschönes Land!

TZ: Nein, ich war leider noch nie in Kroatien, weiter hinunter als Slowenien habe ich es auf dem Balkan noch nicht geschafft. Ich liebe Ferien am Meer und historische Städte, deshalb würde ich gerne einmal am berühmten Adriaabschnitt Kroatiens segeln und ein paar Tage in Dubrovnik verbringen.

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VF: Ich kann mir vorstellen, dass die Wirtschaft des Landes Liechtenstein gerade andere Prioritäten hat als beispielsweise sich für ein Investment in anderen Ländern zu engagieren. Und damit nach neuen Profitmöglichkeiten sucht. Mir scheint es beispielsweise, dass sich in den Beziehungen Kroatien – Liechtenstein in diesem Sinne kaum was tut! Stimmt das? Wenn ja, was könnten die mögliche Gründe dafür sein? Scheint Ihnen Kroatien in solchen Belange ein verlässlicher Partner zu sein?

TZ: Liechtenstein sieht Kroatien mit Sicherheit als verlässlichen Partner an. Die Beziehungen zwischen Liechtenstein und Kroatien werden sich zukünftig sicherlich vertiefen, denn auf europäischer Ebene ist nun zusätzlich die Verbindung durch die EU beziehungsweise durch den EWR gegeben. Beide Länder werden dem europäischen Binnenmarkt angehören. Die rechtliche Basis für die Zusammenarbeit wird dadurch sehr verbreitert. Dadurch entsteht grosses Pontenzial für eine zukünftige vertiefte Zusammenarbeit. Zur Beziehungspflege müssten Sie die Aussenministerin fragen, das gehört eher zu ihrem Aufgabengebiet.

VF: In Liechtenstein leben etwa 150 Kroatinnen und Kroaten. Sie sind sehr unorganisiert, haben keinen Verein oder ähnliches. D.h. als eine nationale Einheit können sie nicht – im Guten – auffallen. Anders bzw. besser organisiert sind beispielsweise die Italiener, Portugiesen, Spanier, Türken, Tailänder, Tibeter oder Bosnier in Liechtenstein… Kennen Sie trotzdem jemanden aus Kroatien in Liechtenstein?

TZ: Ja, Sie selbst! Sie wären doch der geeignete Mann, um einen kroatischen Verein in Liechtenstein zu gründen. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Verein die kroatischen Mitbürger in Liechtenstein gut unterstützen könnte.

VF: Im Namen des Portals „Akademija-Art” und in meinem eigenen Namen und dem meiner Familie wünsche ich Ihnen persönlich, Ihrer Familie und der Regierung Liechtensteins nur das Beste im neuen Jahr 2014.

TZ: Vielen Dank! Auch Ihnen und Ihrer Familie sowie allen Lesern wünsche ich einen guten Start in ein erfolgreiches Jahr 2014!